
Kurzübersicht
- Fach
- Mathematik
- Klassenstufe
- Klasse 3-4
- Unterrichtsform
- Gruppenarbeit, Einzelarbeit
- Technische Voraussetzungen
- Tablet mit Internetzugang und App Pattern Shapes, Geoboard; optional: 3D-Drucker zum Druck von Legeformen
Geometrische Sterne
Vielecke, Symmetrie, Flächeninhalt und Umfang in Beziehung setzen
Ziele
- Geometrische Sterne herstellen, variieren und eigene Muster entwickeln
- Faltschnitt-, Diagonal- und Rautenstern als besondere geometrische Sterne erkunden
- Zacken und Symmetrien von Faltschnitt-Sternen in Beziehung setzen
- Beziehung zwischen Flächeninhalt und Umfang bei Rautensternen untersuchen
- Zerfalleigenschaft von Diagonalsternen arithmetisch beschreiben
- Beziehungen zwischen Faltschnitt-, Diagonal- und Rautenstern entdecken
Fachliche Auseinandersetzung
Geometrische Sterne sind irgendwie gestaltete Zackengebilde, die in verschiedenen kulturellen Kontexten in unterschiedlichen Formen auftreten. Die in dieser Lernumgebung verwendeten Konstruktionszugänge führen zu geometrischen Sternen mit hohem Grad an Symmetrie. Dieser steht in engem Zusammenhang mit der Beziehung zu regelmäßigen Polygonen: Die Sterne werden in den verschiedenen Konstruktionszugängen ausgehend von regelmäßigen Polygonen entwickelt oder auf diese bezogen. Dabei bleiben wesentliche Eigenschaften des regelmäßigen Polygons in der Sternstruktur erhalten, insbesondere seine Symmetrie. Die unterschiedlichen Konstruktionszugänge lassen sich dabei aufeinander beziehen: Erkenntnisse, die bei einem Zugang gewonnen werden, können auf andere Konstruktionsweisen übertragen und dort erneut untersucht werden. In der Lernumgebung werden insbesondere Diagonalsterne, Faltschnitt-Sterne und Rautensterne betrachtet.
Ein Diagonalstern bezeichnet eine sternförmige Figur, die aus einem regelmäßigen Polygon entsteht, indem dessen Eckpunkte nach einer bestimmten Regel durch Strecken miteinander verbunden werden. Die dabei entstehenden Strecken sind Diagonalen des zugrunde liegenden Polygons. In der mathematischen Literatur werden solche Figuren auch als Sternpolygone bezeichnet. So behandeln Alsina und Nelsen (2015, S. 198) beispielsweise Pentagramm und Hexagramm als Sternpolygone. Für die vorliegende Lernumgebung wird die Bezeichnung Diagonalstern verwendet, da damit der Zusammenhang zwischen der Sternfigur und dem zugrunde liegenden Polygon als Träger hervorgehoben wird.
Für die Konstruktion wird ein Algorithmus verwendet, bei dem eine Sprungweite festgelegt wird. Die Sprungweite gibt dabei an, wie viele Eckpunkte von einem Ausgangspunkt aus weitergesprungen wird. Der jeweils erreichte Eckpunkt wird mit dem Ausgangspunkt durch eine Strecke verbunden. Diagonalsterne, die mit verschiedenen Sprungweiten konstruiert werden, können bei gleicher Zackenanzahl unterschiedlich aussehen bzw. eine unterschiedliche Form aufweisen.
Je nach Eckenanzahl des zugrunde liegenden Polygons und gewählter Sprungweite werden entweder alle Eckpunkte in einem Durchlauf erreicht oder es entstehen mehrere voneinander getrennte Durchläufe. Werden nicht alle Eckpunkte in einem Durchlauf erreicht, muss die Konstruktion an einem noch nicht durchlaufenen Eckpunkt erneut begonnen werden, um alle Eckpunkte des Polygons einzubeziehen. Der entstehende Diagonalstern besteht aus mehreren Teilfiguren. Wir sagen auch, dass er in mehrere Teilfiguren zerfällt. So kann ein Diagonalstern zu einem regelmäßigen Zwölfeck beispielsweise in regelmäßige Dreiecke oder Vierecke zerfallen.
Grundsätzlich gibt es Sprungweiten, bei denen ein Diagonalstern in mehrere Teilfiguren zerfällt, es sei denn, die Eckenanzahl des zugrunde liegenden Polygons ist prim. In diesem Fall zerfällt der Diagonalstern nicht (Kirsche, im Druck).
Der zugrunde liegende Algorithmus wird in der Lernumgebung in Angebot 8 explizit aufgegriffen. Die Kinder erfahren dabei, dass Diagonalsterne mit gleicher Zackenanzahl bei unterschiedlichen Sprungweiten unterschiedliche Formen aufweisen können. Dabei zeigt sich, dass ein Diagonalstern in regelmäßige Polygone oder in weitere Sternfiguren zerfallen kann. In Angebot 7 untersuchen die Kinder am Beispiel eines Diagonalsterns zu einem regelmäßigen Zwölfeck, welche regelmäßigen Polygone als Teilfiguren auftreten können, und setzen diese anschließend zu Diagonalsternen zusammen.
Falten kann genutzt werden, um symmetrische Figuren zu konstruieren. Ein Anwendungsgebiet ist dabei die Erzeugung von Stern- und Schneeflockenmustern durch mehrfaches Falten und anschließendes Schneiden (Franke & Reinhold, 2016, S. 272 f.). Faltschnitt-Sterne sind ebenfalls symmetrischen Figuren, die durch mehrfaches Falten und anschließendes Schneiden entstehen. Beim Faltschnitt ist zwischen dem Falten als Handlung und dem entstehenden Falz als geometrischer Linie zu unterscheiden. Diese Unterscheidung ist insbesondere deshalb bedeutsam, weil in einem Faltvorgang durchaus mehrere Falze entstehen und damit die Anzahl der Falze größer sein kann als die Anzahl der Faltvorgänge. Der Falz stellt dabei eine Realisierung der Symmetrieachse der entstehenden Figur dar. Bei der in der Lernumgebung verwendeten Falttechnik verdoppelt sich mit jedem weiteren Faltvorgang die Anzahl der Falze und damit die Anzahl der Symmetrieachsen des entstehenden Sterns. Die Kinder können diese Beziehungen zunächst handelnd erfahren und bei der Übertragung auf weitere regelmäßige Polygone verallgemeinern (Angebot 1 und Angebot 3).
Eine zentrale Verbindung zwischen Faltschnitt-Sternen und Diagonalsternen bildet ein Dreieck, das im Rahmen dieser fachlichen Auseinandersetzung als generierendes Dreieck bezeichnet wird. Es lässt sich in jedem Diagonalstern als Teilfigur identifizieren. Betrachtet man den fertigen Stern und faltet ihn entlang seiner Symmetrieachsen zurück, lässt sich das generierende Dreieck als zugrunde liegende Faltfigur erkennen. Das generierende Dreieck erzeugt dabei durch fortlaufende Spiegelungen an den Symmetrieachsen den Stern. Die Faltung simuliert diese Spiegelungen und macht den Zusammenhang zwischen dem Dreieck und der entstehenden Sternfigur handelnd erfahrbar.
Ein Rautenstern entsteht durch vollständige Überdeckung eines regelmäßigen Polygons mit Rauten, also Vierecken mit vier gleich langen Seiten. Alle verwendeten Rauten besitzen dieselbe Seitenlänge und werden „Kante an Kante“ angeordnet. Die Eigenschaften der Raute und die Bedeutung der einheitlichen Seitenlänge werden in der Lernumgebung zunächst am konkreten Material herausgearbeitet (Angebot 2).
Die Überdeckung eines regelmäßigen Polygons mit n Ecken zur Herstellung eines Rautensterns erfolgt in mehreren Schritten durch die Erzeugung von Stockwerken. Das erste Stockwerk besteht aus n kongruenten Rauten mit einem Innenwinkel, der dem n-ten Teil eines Vollwinkels entspricht. Die Rauten sind so angeordnet, dass der namensgebende Stern mit n Zacken entsteht; die Innenwinkel der Rauten werden dabei zu einem Vollkreis ergänzt. In weiteren Stockwerken werden weitere Rauten zwischen die Zacken des vorhergehenden Stockwerks gelegt. Dabei bleibt die Anzahl der verwendeten Rauten zunächst erhalten, ebenso die Zackenanzahl des jeweiligen Stockwerk-Sterns (Kirsche, im Druck). Die Gleichheit von Eckenanzahl, Zackenanzahl und Rautenanzahl im ersten Stockwerk kann in den analogen und digitalen Angeboten aufgegriffen und zunehmend verallgemeinert werden (Angebote 2, 4 und 5).
Bei ungerader Eckenanzahl tritt im letzten Stockwerk eine Besonderheit auf: Die Anzahl der verwendeten Rauten bleibt erhalten, während durch den Konstruktionsprozess eine äußere Begrenzung mit 2n Ecken entsteht. Dadurch erhöht sich die Zackenanzahl des abschließenden Sterns auf 2n.
Bei gerader Eckenanzahl lassen sich die einzelnen Stockwerke eines Rautensterns als Diagonalsterne zum zugrunde liegenden Polygon erkennen. Betrachtet man ein Stockwerk und verlängert die Außenkante einer Raute gedanklich, trifft die Verlängerung auf der gegenüberliegenden Seite wieder auf eine Außenkante einer Raute. Auf diese Weise wird eine Verbindung zwischen Ecken des zugrunde liegenden Polygons sichtbar. Wiederholt man diesen Vorgang, lässt sich das Konstruktionsprinzip des entsprechenden Diagonalsterns erkennen (Angebot 4).
Die Struktur eines geometrischen Sterns besitzt bestimmte Symmetrien. Bei der Gestaltung eines solchen Sterns ist jedoch zwischen der geometrischen Struktur und ihrer farblichen Ausgestaltung – dem Muster – zu unterscheiden. Durch die Farbgebung können Symmetrien erhalten, aufgehoben oder gezielt hervorgehoben werden. Solche Farbsymmetrien spielen beispielsweise auch bei der mathematischen Analyse der periodischen Muster M. C. Eschers eine Rolle (MacGillavry, 2017).
Damit besitzt die kreative Gestaltung der Sterne einen eigenen fachlichen Kern. Die Kinder können untersuchen, wie viele Symmetrien ein Muster aufweist, welche davon durch eine bestimmte Farbgebung erhalten bleiben und wie sich durch gezielte Veränderungen einzelne Symmetrieeigenschaften hervorheben oder aufheben lassen (Angebot 6 und Angebot 9). In Angebot 9 wird diese Untersuchung zudem mit den zuvor eingeführten Symmetrieachsen verbunden; die Suche nach besonderen Vierecken eröffnet einen weiteren Blick auf Teilfiguren geometrischer Sterne.
Bei ähnlichen Figuren verändern sich Umfang und Flächeninhalt in charakteristischer Weise mit der Größe der Figuren. Während sich der Umfang proportional zu einer linearen Vergrößerung verändert, wächst der Flächeninhalt mit dem Quadrat des entsprechenden Längenfaktors. Für die Auseinandersetzung mit Flächeninhalt und Umfang ist darüber hinaus bedeutsam, dass flächengleiche Figuren unterschiedliche Umfänge besitzen können und umgekehrt umfangsgleiche Figuren unterschiedliche Flächeninhalte haben (Franke & Reinhold, 2016, S. 317).
Ein anschauliches Beispiel für die Unabhängigkeit von Flächeninhalt und Umfang ist das von Beutelspacher und Wagner beschriebene Postkartenphänomen. Dabei wird durch eine geschickte Schnitttechnik ein Loch in eine Postkarte geschnitten, dessen Umfang sehr groß sein kann, während der Flächeninhalt der Postkarte unverändert bleibt (Beutelspacher & Wagner, 2008, S. 70). Bei den Rautensternen zeigt sich dazu ein gegenläufiges Phänomen: Beim Hinzufügen weiterer Stockwerke bleibt der Umfang des Sterns erhalten, während sein Flächeninhalt zunimmt (Kirsche, im Druck). Ursache dafür ist, dass die Rauten aller Stockwerke dieselbe Seitenlänge besitzen und die Anzahl der Seiten des Außenrandes erhalten bleibt, während durch jedes weitere Stockwerk zusätzliche Fläche überdeckt wird. Die Kinder können diese Beziehung im Rautenstern beim Vergleich der Stockwerke beobachten und im Rahmen ihrer Begriffswelt begründen (Angebot 4).
Die Angebote eröffnen unterschiedliche Zugänge zu den beschriebenen fachlichen Zusammenhängen. Die Kinder sammeln zunächst konkrete Erfahrungswerte: Sie erfahren, wie Diagonalsterne mithilfe des Algorithmus und unterschiedlicher Sprungweiten entstehen und in mehrere Teilfiguren zerfallen können, wie Falten und Schneiden Symmetrien erzeugen, wie Rauten zu Stockwerken und Sternen angeordnet werden und wie sich in diesen Strukturen Beziehungen zwischen Polygonen, Sternen, Flächeninhalt und Umfang erkennen lassen. Auch die farbliche Gestaltung wird zu einem mathematischen Untersuchungsgegenstand, wenn Symmetrien erhalten, aufgehoben oder hervorgehoben werden.
Nicht alle mathematischen Strukturen müssen dabei im einzelnen Angebot unmittelbar expliziert werden. Vielmehr können die Beobachtungen und Erfahrungswerte im gemeinsamen Nachgang aufgegriffen, verglichen und systematisiert werden. Auf diese Weise lassen sich aus den konkreten Tätigkeiten übergreifende Zusammenhänge zwischen Konstruktion, Anzahl, Symmetrie, Fläche, Umfang und Gestaltung herausarbeiten. Die verschiedenen Angebote bilden damit unterschiedliche Zugänge zu einem miteinander verbundenen fachlichen Gegenstandsbereich.
Kompetenzen
KMK Kompetenzrahmen
- Produzieren und Präsentieren
Bildungsstandards im Fach Mathematik
- Muster, Strukturen und funktionaler Zusammenhang
- Raum und Form
- Mathematisch argumentieren
- Mathematisch kommunizieren
- Probleme mathematisch lösen
- Mit mathematischen Objekten und Werkzeugen arbeiten
Lernvoraussetzungen
Um die Aufgaben des Angebots zum Themenfeld „Geometrische Sterne“ bearbeiten zu können, werden folgende Kompetenzen vorausgesetzt:
- Umgang mit Werkzeugen: Die Kinder sind sicher im Umgang mit Zirkel und Lineal und beherrschen grundlegende Falttechniken. Sie können das Tablet sicher bedienen und haben idealerweise bereits mit den Apps Pattern Shapes und Geoboard gearbeitet.
- Begriffe: Die Kinder kennen Symmetrieachsen und nutzen diese zur Beschreibung von Symmetrien. Sie können Vielecke anhand ihrer Eckenanzahl benennen und Quadrate, Rechtecke und Drachen als besondere Vierecke erkennen.
Aufgrund der gegebenen Voraussetzungen wird das Aufgabenangebot für die Klassenstufen 3 und 4 empfohlen.
Materialien
Aufgrund der vielfältigen Handlungsweisen, die in den einzelnen Angeboten gefordert werden, können alternativ zu einer Lerntheke auch ausgewählte Angebote im Klassenverband bearbeitet werden. Die Angebote 1 und 2 sind den weiteren Angeboten vorangestellt, da sie eine Einführung in das Themenfeld „Geometrische Sterne“ ermöglichen; Angebot 3 ergänzt diesen Einstieg. Die Angebote 4, 5 und 6 (Serie 1) widmen sich der Erkundung von Rautensternen, die Angebote 7, 8 und 9 (Serie 2) entsprechend der Erkundung von Diagonalsternen. Beide Serien können unabhängig voneinander bearbeitet werden. Der Zusammenhang zwischen Rautenstern und Diagonalstern erschließt sich jedoch erst in einer gemeinsamen Reflexion beider Angebotsserien. In jeder Serie kommt ergänzend ein digitales Medium zum Einsatz: in Serie 1 die App Pattern Shapes, in Serie 2 die App Geoboard.
Zum Download werden angeboten:
- Angebot.pdf: Aufgabenangebot (9 Angebote) mit ausführlicher Beschreibung.
- Material zum Angebot.pdf: Vorlagen und weiteres Material für die Bearbeitung des Aufgabenangebots.
- Rautensternvorlage für die Tafel.pdf: Rautenset zum Herstellen eines Rautensterns für die Tafel (siehe Angebot 2). Für die Herstellung eines Rautensterns wird das Rautenset achtmal benötigt. Idealerweise werden die Rauten laminiert, ausgeschnitten und mit Magnetband versehen, sodass sie unkompliziert an der Tafel angebracht werden können.
- 3DDruckVorlage – Rautenset.zip: Rautensets zu Angebot 5 im STL-Format. Hinweise zum 3D-Druck sind in der Datei „Angebot.pdf“ zu finden.
Downloads
- pdf-Datei
- Angebot(pdf, 3 MB)
- pdf-Datei
- Material zum Angebot(pdf, 3 MB)
- pdf-Datei
- Rautensternvorlage für die Tafel(pdf, 37 KB)
- zip-Datei
- 3D-Druckvorlage Rautenset(zip, 3 KB)
Vorbereitungen
In Vorbereitung auf den Einsatz des Aufgabenangebots bietet sich eine technische und methodische Einführung an: Umgang mit Zirkel und Lineal, Umgang mit dem iPad, Arbeiten mit den Apps Pattern Shapes und Geoboard, Verwendung von Code-Schlüsseln.
Ablauf
Das Aufgabenangebot wurde im Rahmen eines Unterrichtprojekts (zwei Blöcke zu je 90 Minuten) in der Klassenstufe 4 erprobt. Im Folgenden wird der Projektablauf beschrieben.
Im ersten Block werden die Angebote 1 und 2 betrachtet.
Nach einer Begriffseinführung („Was ist ein Stern?“) werden geometrische Sterne als besondere ebene Figuren herausgestellt. Es wird inhaltlich auf die Eigenschaften dieser Formen eingegangen: sie haben eine gewisse Anzahl von Zacken und sie sind in gewisser Weise schön (Bezug zur Symmetrie).
In Vorbereitung auf Angebot 1 wird das Falten (und Schneiden) eines 8-Zack-Sterns demonstriert (frontal). Die Kinder erhalten ein Origami-Papier und falten mit. Die produzierten Sterne werden an der Tafel gesammelt. Die Kinder beobachten, dass die Sterne unterschiedlich aussehen; allen gemein ist jedoch, dass sie 8 Zacken haben.
Anschließend wird Angebot 1 zusammen mit der Faltanleitung ausgeteilt. Die Kinder bearbeiten die Aufgaben und versuchen, einen Faltschnitt-Stern herzustellen. Dabei gelingt es nicht immer, unmittelbar ein korrektes Ergebnis zu erzielen. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der Auseinandersetzung mit der Faltanleitung und sollte von der Lehrkraft nicht unterbunden werden. Vielmehr sollten die Kinder ermutigt werden, ihren Faltprozess zu überprüfen, Fehlerquellen zu suchen und einen weiteren Versuch zu unternehmen. Nach einer vorgegebenen Zeit wird die Arbeitsphase beendet. Es ist nicht erforderlich, dass alle Kinder alle Aufgaben bearbeitet haben. Die entstandenen Ergebnisse werden anschließend im Klassengespräch vorgestellt und reflektiert.
Im zweiten Teil des ersten Blockes wird nun Angebot 2 betrachtet. Die Lehrkraft faltet erneut gemeinsam mit den Kindern nach dem gleichen Algorithmus, diesmal jedoch unter Verwendung der Rautenstern-Faltvorlage. Bei der Verwendung ist darauf zu achten, dass die Faltung so durchgeführt wird, dass die Schnittlinien beim finalen Faltobjekt deutlich zu sehen sind. Das Faltobjekt wird an den Schnittlinien beschnitten. Es entsteht erneut ein Stern (wie in Angebot 1), weiterhin aber noch Vierecke unterschiedlicher Form.
Im weiteren Verlauf stellen die Kinder aus den ausgeteilten Faltvorlagen weitere Sterne und Vierecke her. Die Vorlagen liegen in unterschiedlichen Farben vor. Die Kinder entscheiden selbst, welche Farben sie verwenden. Die Arbeit in Gruppen bietet sich an, um eine gemeinsame Sammlung verschiedenfarbiger Sterne und Vierecke zusammenzustellen. Aus diesen werden entsprechend der Anleitung Rautensterne zusammengesetzt, deren Farbgestaltung die Kinder selbst bestimmen.
Zum Abschluss werden auch die Rautensterne an die Tafel gehängt und gemeinsam betrachtet. Die Kinder untersuchen die einzelnen Muster und beschreiben Auffälligkeiten.
Ein Ausblick auf den nächsten Block schließt den ersten Block ab.
Zu Beginn des Blocks wird eine orangefarbene Raute aus dem „Rautenset für die Tafel“ präsentiert. Im Klassengespräch wird zunächst geklärt, um welche ebene Figur es sich handelt: ein besonderes Viereck. Die Lehrkraft stellt die Behauptung auf, dass alle Seiten gleich lang sind. Die Kinder entwickeln und erläutern Möglichkeiten, diese Behauptung zu überprüfen. Mithilfe einer zweiten orangefarbenen Raute überprüfen Lehrkraft und Kinder die Behauptung gemeinsam. Anschließend wird der Begriff Raute eingeführt: „Ein Viereck, bei dem alle Seiten gleich lang sind, ist eine Raute.“
Die Tafelrauten werden nun genutzt, um gemeinsam einen Rautenstern an der Tafel zu legen. Das entstandene Muster wird als Rautenstern bezeichnet; die Lehrkraft erläutert, dass der Stern so genannt wird, weil er aus Rauten zusammengesetzt ist. Der Begriff „Stockwerk“ wird eingeführt und anhand des gelegten Sterns erarbeitet, dass innerhalb eines Stockwerks jeweils dieselbe Rautenform verwendet wird, während sich die Rautenform von Stockwerk zu Stockwerk unterscheiden kann. Zugleich wird herausgearbeitet, dass jedes Stockwerk aus derselben Anzahl von Rauten besteht.
In Vorbereitung auf die Arbeit an der Lerntheke werden die analogen und digitalen Materialien für die folgenden Angebote bereitgelegt und kurz erläutert. Dabei wird die bereits bekannte Erzeugung und Eingabe eines Schlüssels für die Apps Pattern Shapes und Geoboard wiederholt.
Anschließend beginnt die Arbeitsphase an der Lerntheke. Die Kinder bearbeiten die Angebote selbstständig und entscheiden dabei selbst, ob sie allein, zu zweit oder in Gruppen arbeiten möchten. Fragen werden in dieser Phase nur allgemein beantwortet, sodass die Kinder ihre Lösungswege möglichst eigenständig entwickeln und weiterverfolgen.
Zum Abschluss präsentieren die Kinder ausgewählte Ergebnisse aus der Arbeitsphase, die gemeinsam betrachtet und gewürdigt werden. Ausgewählte Ergebnisse werden von der Lehrkraft noch einmal ausführlicher aufgegriffen und reflektiert. So kann beispielsweise anhand des ersten Stockwerks eines 8-Zack-Rautensterns der Abzählalgorithmus zum Zeichnen von 8-Zack-Diagonalsternen nachvollzogen werden. Anschließend wird untersucht, ob sich dieser Zusammenhang auch auf die weiteren Stockwerke des Rautensterns übertragen lässt.
Differenzierung
Unterschiedliche analoge und digitale Medien eröffnen vielfältige Zugänge zur Erschließung der mathematischen Aspekte des Gegenstands. Die Materialien sind so konzipiert, dass im Sinne der natürlichen Differenzierung ein niedrigschwelliges Angebot vorliegt (Krauthausen & Scherer, 2014, S. 53), das zugleich Rampen aufweist (Ruf & Gallin, 2005, S. 49) und damit eine vertiefende Auseinandersetzung ermöglicht. Dabei spielt die Lehrkraft eine wesentliche Rolle: Sie kann durch gezielte Impulse individuelle Lernprozesse ebenso wie die Auseinandersetzung der gesamten Lerngruppe anregen (Krauthausen, 2018, S. 381).
Aufgrund der Niedrigschwelligkeit des Aufgabenangebots beschränkt sich die Unterstützung zunächst auf Verständnisfragen. Kinder mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen können durch gezielte Impulse dazu angeregt werden, ein Angebot vertiefend zu bearbeiten. Reicht dies nicht aus, kann ein Wechsel zu einem anderen Angebot innerhalb derselben Serie eine weitere Unterstützungsmöglichkeit darstellen.
Links & Literatur
Literatur
Alsina, C., & Nelsen, R. B. (2015). Perlen der Mathematik. Springer Spektrum. https://doi.org/10.1007/978-3-662-45461-9_1
Beutelspacher, A., & Wagner, M. (2008). Wie man durch eine Postkarte steigt: … und andere spannende mathematische Experimente. Herder.
Franke, M., & Reinhold, S. (2016). Didaktik der Geometrie in der Grundschule (3. Aufl.). Springer Spektrum. https://doi.org/10.1007/978-3-662-47266-8
Kirsche, A. (im Druck). Geometrische Sterne – Mathematische Phänomene digital und analog erkunden. In B. Brandt & L. Bröll (Hrsg.), Digitales Lernen in der Grundschule V: Fachdidaktische Perspektiven auf den Einsatz digitaler Werkzeuge. Waxmann.
Krauthausen, G. (2018). Einführung in die Mathematikdidaktik – Grundschule (4. Aufl.). Springer Spektrum. https://doi.org/10.1007/978-3-662-54692-5
Krauthausen, G., & Scherer, P. (2014). Natürliche Differenzierung im Mathematikunterricht: Konzepte und Praxisbeispiele aus der Grundschule. Klett Kallmeyer
MacGillavry, C. H. (2017). Symmetry aspects of M. C. Escher’s periodic drawings (3rd ed.). International Union of Crystallography.
Ruf, U., & Gallin, P. (2005). Dialogisches Lernen in Sprache und Mathematik: Band 2: Spuren legen – Spuren lesen (3. Aufl.). Kallmeyer.