
Kurzübersicht
- Fach
- Sport
- Klassenstufe
- Klasse 2
- Unterrichtsform
- Plenum, Einzelarbeit, Gruppenarbeit
- Zeitbedarf / Dauer
- 45 Min.
- Technische Voraussetzungen
- je ein geladenes Tablet mit Excel-Maske für je 10 Kinder, wasserfeste Schutzhüllen für Tablets
Ausdauerndes Schwimmen zur Förderung von Gesundheitsbewusstsein bei Kindern
Puls messen und bewerten mit Hilfe digitaler Medien
Ziele
kognitiv:
- messen und bewerten des eigenen Pulses beim ausdauernden Schwimmen
sozial-affektiv:
- gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme beim Schwimmen und Spielen
methodisch-instrumentell:
- kennenlernen und anwenden der Methoden zum Pulsmessen
- kennenlernen und anwenden des Tablets als Möglichkeit der Datenerfassung
motorisch:
- ausdauerndes Schwimmen unter Anwendung der Schwimmtechniken Brustschwimmen und Rückenschwimmen
Fachliche Auseinandersetzung
Kondition ist in allen Bereichen des menschlichen Lebens eine elementare Bedingung für ein leistungsorientiertes Handeln. Insbesondere trifft dies auch für sportliche Aktivitäten zu, wobei das Zusammenspiel der konditionellen Fähigkeiten wie Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und Beweglichkeit sowie der koordinativen Fähigkeiten eine wichtige Rolle spielt (Schmith, 1981, S. 6). Beim ausdauernden Schwimmen liegt das Hauptaugenmerk auf der Fähigkeit zur Ausdauer. Hierbei handelt es sich um eine Widerstandsfähigkeit des menschlichen Organismus, welche sich gegen die Erschöpfung bei körperlich anspruchsvollen und über längere Zeit andauernden sportlichen Aktivitäten richtet (Schmith, 1981, S. 6). Mit der Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit geht eine Verbesserung der Funktionstüchtigkeit des Herzens, des Kreislaufes und der Atmung einher. Weiterhin kann der Stoffwechsel stabilisiert werden (Schmith, 1981, S. 6). Indem im Schwimmunterricht nach dem Erlernen der grundlegenden Schwimmtechnik der Schwerpunkt auf das ausdauernde Schwimmen gesetzt wird, können diese gesundheitsförderlichen Effekte angestrebt werden.
Die Kinder können über das Messen und Bewerten ihres Pulses leibliche Erfahrungen im Hinblick auf die sportpädagogische Perspektive Gesundheit fördern und Gesundheitsbewusstsein sammeln. Über das mehrmalige selbstständige Messen des Pulses erfahren die Kinder, wie sich ihr eigener Körper unter unterschiedlichen Belastungen verhält und an diese anpasst (Ptack & Tittlbach, 2020, S. 40 f.). Der Verlauf des Pulsschlages wird zudem visuell aufbereitet und so ein Bewusstsein für die Verknüpfung körperlicher Veränderungen mit den vorausgegangenen Belastungen und Aktivitäten geschaffen.
Kompetenzen
Die Kinder lernen im Bereich der digitalen Bildung das Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren von Daten kennen.
Durch die grafische Darstellung der gemessenen Pulsdaten können die Kinder lernen, Daten auszuwerten. Gab es eine Steigerung des Pulses? Wie steht das in Verbindung mit der zurückgelegten Strecke?
Des Weiteren können die Lernenden ihre gewonnen Daten in Form einer Tabelle abspeichern und zu einem späteren Zeitpunkt wieder abrufen.
KMK Kompetenzrahmen
-
Suchen, Verarbeiten, Aufbewahren
- Auswerten und Bewerten
- Speichern und Abrufen
Lernvoraussetzungen
Die Lernenden sollten bereits im Brust- und Rückenschwimmen geübt sein. Somit ist die Einheit zum ausdauernden Schwimmen am Ende einer Unterrichtsreihe zum Techniklernen zu verorten, sodass die Kinder genügend Zeit haben die Grundkenntnisse in den jeweiligen Schwimmtechniken zu erlernen und zu üben.
Die Lernenden sollten zudem die jeweiligen räumlichen Bedingungen kennengelernt haben (z.B. Streckenlänge), um ihr eigenes Schwimmtempo dosieren zu können.
Zusätzlich können unterstützend Schwimmhilfen wie Schwimmgürtel oder Schwimmnudeln verwendet werden, um der Heterogenität der Klasse gerecht zu werden.
Materialien
analog:
- 1 Stoppuhr für die Pulsmessung
- 1 Hallenuhr
- Schwimmhilfen (z.B. Schwimmgürtel oder Schwimmnudel)
digital:
- je 1 Tablet mit Excel-Maske (M1) für je 10 Kinder
- je eine Wasserschutzhülle pro Tablet
Downloads
- xlsx-Datei
- M1 Excel-Maske Schwimmen als konditionelles Training bearbeitbarBei dieser Datei handelt es sich um die Excel-Maske für bis zu 10 Personen, in welcher die Pulsdaten der Kinder erfasst werden sollen. Der enthaltene Graph aktualisiert sich automatisch mit den eingegebenen Daten. Des Weiteren beinhaltet die Datei eine kleine Legende als Übersicht.(xlsx, 20 KB, Datei ist barrierefrei/barrierearm)
Vorbereitungen
Es ist günstig, wenn der Klasse ausreichend Schwimmbahnen zur Verfügung stehen, um Wartezeiten zu verringern.
Je nach Schwimmfähigkeit der Kinder sollten Schwimmhilfen bereit gelegt werden.
Auf der technischen Seite müssen die Namen in die Excel-Masken eingetragen und die Tablets auf ihren Ladestatus überprüft werden.
Ablauf
Tabelle eines beispielhaften Unterrichtsablaufs
| Unterrichtsphase | Beschreibung |
|---|---|
| Begrüßung | Vorstellung der Unterrichtsziele und auffrischen der Baderegeln |
| Erwärmung | Puls messen & Feuer, Wasser, Sturm |
| Durchführung | verschiedene Distanzen schwimmen mit Pulsmessungen |
| Reflexion und Ergebnissicherung | Pulsverlaufskurve in Excel Maske und Abschlussspiel |
Nach dem Umziehen eröffnet die Lehrkraft die Stunde und begrüßt die Kinder. Anschließend benennt sie das Thema des ausdauernden Schwimmens sowie den Ablauf und die Zielstellung der Stunde. Somit erhalten die Lernenden einen groben Überblick über die Unterrichtsstunde. Anschließend werden die Baderegeln wiederholt und aufgefrischt. Außerdem wird nach dem Wohlbefinden der Kinder gefragt.
Bevor es ins Wasser geht, fragt die Lehrkraft nach den Vorerfahrungen der Kinder zum ausdauernden Schwimmen und der Pulsmessung. Dies dient als Überleitung in die Erwärmung.
Als erstes soll jedes Kind den eigenen Puls insgesamt zweimal messen. Dafür weist die Lehrkraft an, wie der Puls gemessen werden kann. Es bieten sich vor allem die Handgelenke oder der Hals als Messpunkte an. Dafür müssen mit Zeige- und Mittelfinger die Stellen unter leichtem Druck abgetastet werden, bis ein Puls spürbar ist. Hier können die Kinder probieren, welche Stelle ihnen leichter fällt. Zudem ist zu beachten, dass nicht der Daumen verwendet wird, da dieser einen eigenen Puls hat. Die Kinder sollten sich in Ruhe befinden und sich gegebenenfalls auf eine Bank setzen. Die Lehrkraft gibt, nachdem jedes Kind den Puls spürt, ein Startsignal. Ab diesem Zeitpunkt müssen die Kinder die gespürten Pulsschläge leise für sich zählen und merken. Als Orientierung für die gemessene Zeit von 15 Sekunden kann die Hallenuhr genutzt werden. Anschließend müssen die gezählten Schläge nacheinander der Lehrkraft mitgeteilt werden, welche die Daten in die Excel-Maske einträgt (siehe Download M1). Die Daten werden in der Excel-Maske mit 4 multipliziert und somit die Schläge pro Minute grafisch visualisiert. Sportbefreite Kinder können die Lehrkraft beim Eintragen der Werte unterstützen. Um einen weiteren Wert zu ermitteln, wird das Ganze noch einmal wiederholt und der zweite Wert in die Excel-Maske eingetragen.
Nachdem zwei Werte pro Kind erfasst wurden, können sich diese abduschen und ins tiefe Wasser gehen. Wenn alle Kinder im Wasser sind, wird das Spiel „Feuer, Wasser, Sturm“ im Wasser von der Lehrkraft erklärt und anschließend gespielt.
Ablauf "Feuer, Wasser, Sturm" im Wasser:
Die Kinder befinden sich zu Beginn an einer vorgegebenen Position mitten im Becken. Alternativ kann auch die Mitte der zur Verfügung stehenden Schwimmbahnen als Mittelpunkt genutzt werden. Die Lehrkraft gibt Kommandos: Feuer, Wasser oder Sturm. Je nachdem müssen die Kinder unterschiedliche Aufgaben absolvieren.
Vorschläge für die Aufgaben:
- Feuer: Die Lehrkraft zeigt auf eine Ecke des Beckens oder der Bahn. Zu dieser müssen die Kinder schnellstmöglich schwimmen.
- Wasser: Die Kinder müssen sich wie ein Seestern flach mit den Rücken aufs Wasser legen.
- Sturm: Bei diesem Kommando müssen die Kinder für wenige Sekunden untertauchen.
Das letzte Kind, das das Kommando ausgeführt hat, muss eine von der Lehrkraft vorgegebene Aufgabe bewältigen. Dies kann beispielsweise das dreimalige Drehen um die eigene Achse im Wasser oder das Springen vom Startblock sein.
Das Spiel kann ca. 4 Runden lang gespielt werden.
Als Variationsmöglichkeiten können zum Beispiel mehrere Letzte die vorgegebene Übung machen oder andere Kinder wählen eine Übung aus. Des Weiteren ist es möglich, dass die Kinder die Bewegung für Kommandos selbst festlegen dürfen. Optional kann auch die Anzahl der Spielrunden oder der Abstand von den Ecken verändert werden.
Anschließend wird erneut der Puls gemessen und von der Lehrkraft als dritter Wert in die Excel-Maske eingetragen (siehe Download M1). Diesmal bleiben die Kinder jedoch im Wasser und messen ihren Puls vom Beckenrand aus. Die Grafik aktualisiert sich mit jedem Wert automatisch und veranschaulicht somit den Kindern direkt Veränderungen.
Im anschließenden Hauptteil der Stunde soll es um das konditionelle Training durch Schwimmen gehen. Dafür bildet die Lehrkraft Gruppen in Abhängigkeit der Anzahl der Excel-Masken. Die Kinder bilden dabei Reihen am Beckenrand im Wasser in derselben Reihenfolge wie in den Tabellen. Das erleichtert es der Lehrkraft, beim weiteren Vorgehen die Werte einzutragen.
Die Kinder haben nun die Aufgabe unterschiedlich lange Distanzen in unterschiedlichen Techniken zu schwimmen. Gestartet wird mit 50 Meter Brustschwimmen. Die Gruppen starten auf separaten Bahnen. Die Kinder lassen zudem immer etwas Platz zum vorderen Kind, bevor sie starten. Gestartet wird in der Reihenfolge, welche die Kinder zuvor eingenommen haben. Nachdem die Kinder die 50 Meter absolviert haben, sollen sie individuell mit Hilfe der Hallenuhr 15 Sekunden lang ihren Puls messen und der Lehrkraft mitteilen. Diese trägt die Werte der Kinder anschließend wieder ein (siehe Download M1).
Als Nächstes müssen die Kinder 100 Meter absolvieren. Davon sollen 50 Meter durch Brustschwimmen und 50 Meter durch Rückenschwimmen geschwommen werden. Die Reihenfolge ist frei wählbar. Es wird zudem immer rechts von der Schwimmbahn geschwommen, um Kollisionen mit entgegenkommenden Kindern zu vermeiden. Zusätzlich können Hilfsmittel, wie Schwimmbretter, genutzt werden. Auch hier wird nach der erfolgreichen Absolvierung der Puls individuell gemessen und mitgeteilt.
Als letzte Etappe werden 200 Meter geschwommen. Dabei ist die Technik frei wähl- und wechselbar. Auch hier ist die Verwendung von Hilfsmitteln zur Unterstützung möglich. Anschließend wird ein weiteres Mal der Puls gemessen und eingetragen (siehe Download M1).
Nachdem die Lehrkraft den insgesamt 6. Wert eingegeben hat, können die Kinder aus dem Wasserbecken kommen und sich an den Rand setzen. Nach einer kurzen Beruhigungsphase soll ein letztes Mal der Puls gemeinsam gemessen und eingetragen werden (siehe Download M1).
Nachdem alle Werte der Kinder eingetragen wurden, wird nach dem aktuellem Befinden gefragt. Die Antworten der Kinder sollen anschließend mit der Grafik der Excel-Maske in Verbindung gebracht werden (siehe Download M1). Dafür zeigt die Lehrkraft den Kindern die Grafiken. So sollen auch auffällige Punkte angesprochen werden, warum beispielsweise manche Graphen große Schwankungen aufweisen. Dies kann mit Wartezeiten oder mit Messfehlern begründet werden. Insgesamt sollte jedoch erkennbar werden, dass mit steigender Distanz der Puls höher wird und somit abhängig von der Belastung ist. Zudem können die Kinder sich auch untereinander vergleichen, indem sie ihre Kurven abgleichen.
Zum Abschluss der Stunde kann noch das Spiel „Ein Ding zu wenig“ gespielt werden.
Ablauf des Abschlussspiels „Ein Ding zu wenig“ im Wasser:
Die Lernenden begeben sich alle wieder ins Wasser und bleiben in Nähe des Beckenrandes. Jedes Kind erhält nun von der Lehrkraft eine Schwimmhilfe und behält diese in der Hand. Dabei sind vorzugsweise Schwimmbretter zu benutzen. Ein Kind erhält jedoch keinen Gegenstand und ist somit das Kind "ohne Ding".
Nachdem alle Schwimmhilfen verteilt sind, gibt die Lehrkraft ein Signal. Auf das Signal werfen die Kinder den Gegenstand über den Kopf nach oben. Sofort danach haben sie die Aufgabe, sich einen neuen Gegenstand zu suchen und zu ihm zu schwimmen. Wer einen Gegenstand hat, hat diesen sicher und er darf nicht weggenommen werden. Das Kind, welches keinen Gegenstand erbeutet, muss eine vorgegebene Aufgabe bewältigen, wie zum Beispiel: 3x um die eigene Achse drehen, vom Startblock springen oder im Wasser im Kreis hüpfen. Das Spiel wird je nach verbleibender Zeit ca. 4 Runden gespielt.
Als Variationsmöglichkeiten könnten noch weniger Gegenstände ausgeteilt werden, damit es am Ende mehrere Kinder gibt, die eine Übung machen müssen. Außerdem könnten andere Kinder eine Übung auswählen oder unterschiedliche Fortbewegungsarten vorgegeben werden. Alternativ kann die Anzahl der Spielrunden variieren.
Die Lehrkraft beendet durch ein Signal das Spiel und die Kinder kommen mit ihren Schwimmhilfen wieder aus dem Wasser. Abschließend beendet die Lehrkraft die Stunde und gibt optional einen Ausblick auf die nächsten Stunden.
Differenzierung
Diese Stunde bietet eine Vielzahl an Differenzierungsmöglichkeiten. Grundlegend kann die Anzahl der zu schwimmenden Übungen je nach Zeit oder die entsprechende Distanz erhöht werden. Bei zu wenig Zeit kann die letzte Übung (200m) entsprechend auf 150 Meter oder gar 100 Meter reduziert werden. Außerdem können bei der 200m-Distanz die Schwimmtechniken oder die Reihenfolge vorgeben werden, um einen höheren Schwierigkeitsgrad zu schaffen. Alternativ können auch ausdauerorientierte Schwimmübungen als Staffelspiel gestalten werden.
Es ist zudem möglich im Vorfeld Leistungsgruppen zu erstellen, wenn die Unterschiede zwischen den Lernenden zu groß sind, um unnötige Wartezeiten zu verhindern. Des Weiteren kann die Lehrkraft die Zeit (15 Sekunden) zur Messung des Pulses selbst stoppen, wenn es durch die Kinder nicht funktionieren sollte.
Links & Literatur
Literatur
Grosser, M. & Zintl, F. (1994). Training der konditionellen Fähigkeiten (2. Aufl.). Schorndorf: Hofmann-Verlag.
Ptack, K. & Tittlbach, S. (2020). Sportdidaktischer Kenntnisstand zum Thema Gesundheit im Sportunterricht – eine Literaturanalyse. In R. Sygusch, H. P. Brandl-Bredenbeck, S. Tittlbach, K. Ptack, C. Töpfer (Hrsg.), Gesundheit in Sportunterricht und Sportlehrerbildung. Bestandsaufnahme, Intervention und Evaluation im Projekt ‚Health.edu‘ (Band 21, Seite 39 - 46). Wiesbaden: Springer VS.
Schmith, G. (1981). Kondition durch Schwimmen. Hinweise und Stundenbilder zum Schwimmen im Freizeit- und Erholungssport (1. Aufl.). Berlin: Sportverlag Berlin.