Auf dem Foto abgebildet sind ein Pinsel, ein Blatt Papier mit grünen Farbversuchen, grüne Blätter einer Pflanze und eine Schüssel mit der selbst hergestellten grünen Farbe.
Lernumgebung

Kurzübersicht


Fach
Kunst
Klassenstufe
Klasse 3
Unterrichtsform
Gruppenarbeit, Plenum
Zeitbedarf / Dauer
4 x 45 Min.
Technische Voraussetzungen
Tablets mit Internetzugang, Book Creator, Smartboard oder Laptop mit Beamer

Farbenwerkstatt

Wir stellen Farben selbst her!


In der Farbenwerkstatt erhalten die Kinder einen Einblick in die Herstellung von Farben. Woraus bestehen Farben? Wie kann ich eine Farbe selbst herstellen? Welche Eigenschaften hat sie? In einer Gruppenarbeit erstellen sie ein digitales Buch mit Fotos ihrer Ergebnisse. Des Weiteren besucht die Klasse die Höhle von Lascaux, betrachtet die dortigen Höhlenmalereien und sieht sich einen Online-Pilz-Farbenatlas an.
von:
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Lizenz:
CC BY-SA 4.0 Lizenz
Lizenzangabe:
© Lernumgebung "Farbenwerkstatt" von Idee von Maria Degenhardt, Samuel Harnisch, Jorinde Kräuter & Lena Ruttloff; überarbeitet von Katrina Körner & Anna Fischer unter der Lizenz CC BY-SA 4.0 via DigiLeG macht Schule
Bild:
© Abbildung "Farbenwerkstatt" von Samuel Harnisch unter der Lizenz CC BY-SA 4.0 via DigiLeG-Portal
  • Die Kinder können beschreiben, wie man Farben selbst herstellt (Material, Vorgehen).
  • Die Kinder können die Begriffe Pigment und Bindemittel unterscheiden und dafür jeweils Beispiele nennen.
  • Die Kinder üben sich im Umgang mit dem Tablet, indem sie ein digitales Buch zur Farbenwerkstatt mit dem Book Creator erstellen.

Ob in Kleidung, Kunst, Natur, Technik oder Kultur – überall begegnen den Kindern im Alltag Farben. Unsere Welt ist voller Farben, aber jeder Mensch, jedes Kind sieht sie anders und nimmt sie unterschiedlich auf (Dietl 2011, S. 41). Nach Marie-Luise Dietl bietet die Arbeit mit Farben – zum Beispiel beim Malen – den Kindern die Möglichkeit, ihre eigenen Emotionen und Wahrnehmungen auszudrücken sowie ihre Mitmenschen daran partizipieren zu lassen. Bildlösungen fallen dabei unterschiedlich aus und sind nicht immer gegenständlich. Grund dafür ist, dass sich das Experimentieren mit Farben verselbständigen kann. Farben fungieren immer als Bedeutungsträger und vermitteln Informationen und Stimmungen. Farbnuancen können auf verschiedene Art und Weise geschaffen werden (Dietl 2011, S. 41). Zur Anbahnung und zum Aufbau einer Farbsensibilität bei Kindern können Farben aus Naturmaterialien selbst hergestellt werden. Die so produzierten „natürlichen Farben“ unterscheiden sich deutlich sowohl von den „grellen“ Farbintensitäten, die in digitalen Medien und der Werbung vorherrschen, als auch von industriell vorgefertigten Farbmaterialien.

Der Mensch malt schon seit langer Zeit. Die ersten Nachweise für die Nutzung von Farben finden sich in den Höhlenmalereien (Welsch & Liebmann 2011, S. 10f.). Die ältesten, bisher gefundenen Höhlenmalereien sind ungefähr 45.500 Jahre alt und befinden sich in Indonesien (Brumm et al. 2021). Für die Höhlenmalereien wurden Farbpigmente aus Erden, Mineralen, Erzen und Kohlen verwendet. Bindemittel stellten unter anderem Öle, Blut, Harze, Kalk und Wasser dar (Welsch & Liebmann 2011, S. 11).

Die Herstellung von Farben aus verschiedenen Naturmaterialien wird bei Neddo (2022) detailliert beschrieben. Benötigt werden Pigmente und Bindemittel.

Pigmente stellen sehr kleine, unlösliche und farbgebende Partikel dar (Welsch & Liebmann 2011, S. 142). Es werden zwei Kategorien von Pigmenten unterschieden: Pigmente aus Gestein und Pigmente aus organischen Stoffen (Pflanzen, Tiere und Pilze). Für den Grundschulunterricht erscheint die Arbeit mit Pflanzen am sinnvollsten. Folgende Pflanzen können beispielsweise genutzt werden:

  • rote Farbtöne: Klatschmohn, Rote Bete, Hagebutten, Paprika, Rosenblätter, rote Beeren (z. B. rote Johannisbeeren)
  • gelb-orange Farbtöne: Kurkuma, Ringelblume, Rhabarberwurzeln, Löwenzahnblüten, Birkenblätter, Färberkamille, Karotten, Kürbis
  • braun-schwarze Farbtöne: schwarzer Tee, Kaffee, Kakaopulver
  • hellbraun: Zwiebelschalen
  • blau-violette Farbtöne: Malve, Lavendel, Rotkohlblätter, Blau-, Brom-, Holunderbeeren, schwarze Johannisbeeren, Früchte von Liguster, Mahonie, Schlehe, Wildpflaume
  • grüne Farbtöne: Spitzwegerich, Himbeer-, Brombeerblätter, Liebstöckel, Petersilie, Spinat

Statt frischer Pflanzen können alternativ auch getrocknete oder bereits vorgekochte Produkte genutzt werden, z. B. Kurkumapulver, gekochte Rote Bete, Teebeutel.

Bindemittel sind Inhaltsstoffe, die man den Pigmenten beimengt, um sie zu binden und zu Malfarben zu verarbeiten. Wasser ist als Bindemittel ungeeignet, da es zu dünn ist und die Pigmente nicht bindet. Wichtige Aufgabe des Bindemittels ist es zudem, die Farbe auf der Malunterlage zum Haften zu bringen. Beispiele für geeignete Bindemittel sind Eier, Kleister, Trockenöle, Baumharze und Pflanzengummi (Neddo 2022, S. 15).

Beim Extrahieren von Farbmaterial aus Pflanzen geht man wie folgt vor:

  1. Koche für den Farbton passende Blüten, Beeren (ohne Grün) oder Blätter in etwas Wasser auf.
  2. Gieße den Sud durch ein Baumwolltuch oder ein sehr feines Sieb. Trenne den Sud damit von den groben Bestandteilen.
  3. Mische das Bindemittel unter.
  4. Optional: Füge etwas Alaun hinzu, um die Farbe haltbarer zu machen.

Alternativ zum Kochen können Blätter, Blüten und Beeren auch in einem Mörser zerstampft, mit dem Bindemittel gemischt und die daraus entstehende Flüssigkeit anschließend herausgesiebt werden.

Sozialkompetenz

Die Kinder bearbeiten eine Aufgabe in Gruppenarbeit. Dabei üben sie sich darin, aufeinander zu achten, miteinander zu kommunizieren und Aufgaben gerecht zu verteilen. Gemachte Erfahrungen werden gemeinsam besprochen und reflektiert.

Selbstkompetenz

Die Kinder werden für die Farben der Natur sensibilisiert.

Methodenkompetenz

Die Kinder können eine Anleitung befolgen. Sie lernen das Verfahren kennen, Farbe selbst herzustellen. Die Kinder üben sich im Umgang mit dem Tablet und dem Book Creator.

Sachkompetenz

Die Kinder kennen die Begriffe Pigment und Bindemittel. Sie erhalten einen Einblick in Höhlenmalereien und in die Herstellung von Farben.

KMK Kompetenzrahmen

  • Kommunizieren und Kooperieren
    • Teilen
    • Zusammenarbeiten
  • Produzieren und Präsentieren
    • Entwickeln und Produzieren
    • Weiterverarbeiten und Integrieren
  • Problemlösen und Handeln
    • Werkzeuge bedarfsgerecht einsetzen
  • zum Mischen der Farben:
    • Material für die Pigmente: von Lehrkraft mitgebracht, teilweise auch von den Kindern (z. B. Blätter, Blüten, Früchte von Pflanzen)
    • Material für die Bindemittel (z. B. Öl, Eier, Mehl, Wasser)
    • Gläser, Schalen, Schüsseln zum Anmischen der Farben
    • Löffel, Gabeln o. Ä. zum Verrühren
    • ggf. Wasserkocher
    • Mörser o. Ä.
    • ggf. Küchenrolle zum Säubern
  • zum Malen:
    • Papier
    • Pinsel
    • Wasserbecher
  • zum Dokumentieren:

Downloads

pdf-Datei
Farbenwerkstatt Book Creator-Buch(pdf, 363 KB)
epub-Datei
Farbenwerkstatt Book Creator-Buch bearbeitbar(epub, 2 MB)
  • digitale Bücher vorbereiten im Book Creator (s. Materialdownloads)
  • Material für das Farbenmischen vorbereiten (s. Materialien)
  • Tabletregeln mit den Kindern besprechen
  • Online-Rundgang der Höhle von Lascaux anschauen und ggf. Malereien für die detaillierte Betrachtung auswählen
  • Mushroom Color Atlas betrachten

Begonnen wird die erste Unterrichtsstunde mit einem Sitzkreis. In der Mitte des Sitzkreises liegen verschiedene Materialien aus, mit denen etwas farbig gestaltet werden kann: Temperafarben, ein Malkasten, Acrylfarben, Fingermalfarben, Kreiden, Buntstifte, Wachsmalstifte, ... . Die Lehrkraft stellt die Frage: Was haben diese Dinge gemeinsam? Antwort: Alle Materialien beinhalten Farbpigmente, mit denen etwas auch tatsächlich farbig gestaltet werden kann. Die Lehrkraft erzählt den Kindern, dass wir, wenn wir heute etwas gestalten möchten, Farben und Materialien einfach einkaufen können. Dafür haben wir eine riesige Auswahl verschiedener Farbarten und -töne für alle denkbaren Zwecke und Oberflächen. Diese werden industriell gefertigt. Aber wie war das denn früher, als man solche Dinge noch nicht kaufen konnte?

Seit wann malen Menschen denn überhaupt? Die Kinder erhalten eine Einführung in Höhlenmalereien – die ersten Zeugnisse für menschliche Malereien. Die ältesten Höhlenmalereien sind bereits über 45.000 Jahre alt. Gemeinsam „besucht“ die Klasse die Höhle von Lascaux und betrachtet einige der Bilder genauer. Das funktioniert zum Beispiel über einen Online-Rundgang. Die Klasse überlegt, womit die Menschen damals an die Wände gemalt haben. Die Lehrkraft erzählt anschließend, dass sie Farben selbst gemischt haben – aus Erden, Mineralen, Erzen, Kohlen, Kalk, Wasser, Harzen, Blut und Ölen.

Woraus Farben bestehen, erfahren die Kinder im Anschluss. Um Farben herzustellen benötigt man Farbpigmente und Bindemittel. Die Pigmente geben der Farbe ihr Aussehen und das Bindemittel sorgt dafür, dass die Pigmente zusammengehalten werden und man mit der Farbe malen kann. Gegebenenfalls kann die Lehrkraft das an einem Beispiel demonstrieren (z. B. Paprikapulver, Öl).

Auch heute gibt es noch Personen, die Farben selbst herstellen, zum Beispiel aus Pilzen. Eine gute Übersicht liefert der Mushroom Color Atlas. Der Farbatlas zeigt sowohl die Ergebnisse von Pilzfarben zum Malen als auch zum Färben von Stoffen. In den Filtermöglichkeiten kann nach Pigmenten gefiltert werden. Zu jeder Farbe gibt es den Hinweis, aus welchem Pilz sie gewonnen wurde, wie dabei vorgegangen wurde und welche anderen Farben ebenfalls aus dem Pilz in Verbindung mit anderen Stoffen entstanden. Durch diesen Atlas erfahren die Kinder, welche Bandbreite an Farben aus Pflanzen entstehen kann, aber auch dass nicht alle Farben abbildbar sind. In diesem Beispiel wäre das die Farbe Blau. Mit welcher Pflanze könnte man denn eine blaue Farbe erzeugen?

Zum Abschluss der Unterrichtsstunde erhalten die Kinder die Information, dass sie selbst Farben herstellen werden. Gegebenenfalls erhalten sie die Hausaufgabe, Materialien dafür mitzubringen.

In der Erarbeitungsphase, in der die Farben hergestellt werden, arbeiten die Kinder in Gruppen von zwei bis drei Kindern. Gearbeitet werden kann sowohl im Kunstraum als auch im grünen Klassenzimmer. Zwei Fragen stehen bei der Arbeit im Vordergrund: Wie stellt man Farben her? und Woraus lassen sich denn Farben herstellen? Die Arbeitsphase soll strukturiert (konkrete Aufgabenstellung, Anleitung zur Farbherstellung, Sozialform), aber auch geöffnet sein (erforschend, entdeckend, freie Materialauswahl). So haben die Kinder die Möglichkeit, selbst zu wählen, mit welchem Material sie arbeiten und auch Material zu testen, das sie in ihrer Umgebung finden. Insofern wäre die Arbeit im grünen Klassenzimmer von Vorteil. Mögliche Materialien für die Pigmente und Bindemittel sind den Kindern an einem zentralen Ort voneinander getrennt zugänglich.

Für die Arbeit erhalten die Gruppen ein Tablet mit einem digitalen Buch (s. Materialdownloads). In dem Buch stehen die Anleitung zur Farbherstellung und die Aufgabenstellung:

  1. Stellt eine Farbe nach der Anleitung her. Wählt dafür ein Material aus.
  2. Haltet eure Ergebnisse fest, indem ihr sie fotografiert.
  3. Fügt die Fotos auf den nächsten Seiten ein.
  4. Ergänzt auf jeder Seite ein Textfeld mit dem Namen des Materials und dem Bindemittel.
  5. Stellt weitere Farben her.

Das digitale Buch birgt die Möglichkeit, die Farbergebnisse fotografisch festzuhalten. Das wiederum hat den Vorteil, dass die Farbechtheit gewährleistet ist. Häufig haben Naturfarben die Eigenschaft, über einen längeren Zeitraum hinweg zu verblassen oder ihren Farbton zu verändern. Des Weiteren haben die Kinder im Book Creator-Buch die Möglichkeit, ergänzende Kommentare durch Sprachaufnahmen einzufügen. So könnten sie beispielsweise die Farben in ihrem Aussehen, ihrem Geruch und ihrer Konsistenz beschreiben oder Probleme und Erfahrungen des Herstellungsprozesses teilen.

In der Auswertung werden die Ergebnisse der Kinder betrachtet. Dabei kann Bezug genommen werden auf die Ausbeute der Farben (Qualität, Quantität), die verschiedenen Bindemittel, die Herstellungsprozesse und die gemeinsame Arbeit. Im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung kann über die Inhaltsstoffe der Farben gesprochen werden. Die selbst hergestellten Farben bestehen beispielsweise ausschließlich aus natürlichen Materialien und können somit bedenkenlos entsorgt werden. Sollte die Auswertung mit Abstand zur Erarbeitung stattfinden, wäre auch der Vergleich zwischen den Fotos und den gealterten Ergebnissen interessant. Haben sich die Farben verändert? Haben sich Ränder gebildet? Gegebenenfalls können Vergleichsfotos der Farben erstellt und in die digitalen Bücher integriert werden. Auch zwei Farbkreise könnten gemeinsam erstellt werden: einer aus den gealterten Ergebnissen und einer aus den Fotos. (Wie) Unterscheiden sie sich?

Mit den Farbergebnissen der Kinder kann weitergearbeitet werden. Beispielsweise können sie als Bestandteile einer Collage genutzt oder als Hintergrund für weitere Gestaltungen verwendet werden.

Vertiefender Umgang mit Book Creator

Die Kinder können alternativ zum Einfügen eines Textfeldes (= Schreiben mit der Tastatur) auch Informationen mit dem Tablet-Stift schreiben. Des Weiteren können die Kinder ihre selbst hergestellte Farbe vertieft beschreiben und auswerten, indem sie Sprachaufnahmen auf den Seiten des Book Creator-Buches einfügen.

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