Bild von Saug-Wisch-Roboter
Lernumgebung

Kurzübersicht


Fach
Ethik
Klassenstufe
Klasse 3-4
Unterrichtsform
Einzelarbeit, Gesprächskreis, Gruppenarbeit, Plenum, Partnerarbeit
Zeitbedarf / Dauer
135 Min.
Technische Voraussetzungen
Interaktiver Tafel oder Beamer und PC

Jan, der Roboter und die Frage nach dem Schuldigen

Kann ein Saug-Wisch-Roboter mutwillig etwas zerstören?


Die Kinder setzen sich mithilfe einer Geschichte über einen Jungen, einem besonderen gemalten Bild und einem Saug-Wisch-Roboter mit Problemen von künstlicher Intelligenz (KI)-unterstützter Technik und algorithmischen Entscheidungen auseinander. Die Kinder diskutieren über Risiken von Robotern als Alltagshelfer und entwickeln selbst einen eigenen Roboter. Durch dieses Vorgehen gewinnen die Lernenden Einblick in die Grenzen von normier- und somit programmierbaren Alltagshandlungen und beginnen somit auch die Grenzen von Algorithmen und KI zu reflektieren.
von:
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Lizenz:
CC BY-SA 4.0 Lizenz
Lizenzangabe:
© Lernumgebung "Jan, der Roboter und die Frage nach dem Schuldigen" von Lisa Kaiser, Jan Horna überarbeitet von Sophia Peukert unter der Lizenz CC BY-SA 4.0 via DigiLeG macht Schule
Bild:
© Abbildung "Rundes Robotervakuum" von Jens Mahnke unter der Lizenz CC0 1.0 via Pexels

Die Kinder gewinnen Einblick in die Funktionsweise von schwacher künstliche Intelligenz.

Die Kinder analysieren, reflektieren und bewerten Chancen, Grenzen und Risiken von digitalen Alltagshelfern und künstlicher Intelligenz.

Die Kinder erkennen die Komplexität von alltäglichen Entscheidungssituationen, indem sie u. a. einen eigenen Roboter mit verschiedenen Funktionen analog auf dem Papier konzipieren.

Bereits seit langer Zeit sind digitale Technologien fester Bestandteil des Alltags von Kindern. Ob es sich dabei um das Smartphone, Instagram, Google oder Sprachassistenten wie Alexa oder Siri handelt - die digitale Welt ist bereits fest in unseren alltäglichen Lebensabläufen verankert. Es ist nun Aufgabe der Schule, diese alltäglichen Erfahrungen in einen fachlichen Kontext zu bringen. In unserer heutigen digitalen Welt gehört das Verständnis für das Wesen z. B. eines Algorithmus zum allgemeinen Wissensstand. Die Informatiksysteme um uns herum werden immer unauffälliger und treffen fortlaufend Entscheidungen, deren Auswirkungen wir ausgesetzt sind. Beispielhaft lassen sich an dieser Stelle personalisierte Werbung, automatisch generierte Playlists auf Spotify oder Suchmaschinenoptimierung anführen. Diese Informatiksysteme agieren durch ausgeklügelte Algorithmen. Nur wer das grundlegende Wesen des Algorithmus versteht, hat die Möglichkeit, ein Gefühl für komplexe Algorithmen zu entwickeln und somit kompetent über die Möglichkeiten, Grenzen und die gesellschaftliche Wirkung von Informatiksystemen zu diskutieren. Hier setzt die vorliegende Lernumgebung an. Grundlegend für die fachliche Auseinandersetzung in Vorbereitung auf die Lernumgebung sind die Begriffe Roboter, künstliche Intelligenz (KI) und Algorithmen. Die genannten Begriffe werden im Nachfolgenden kurz erläutert.

Roboter sind Maschinen, die in der Lage sind, automatisch und selbstständig Aufgaben auszuführen. Dabei können sie durch Sensoren und Kameras ihre Umgebung wahrnehmen und auf Veränderungen reagieren (vgl. Burmester o.J.). Es gibt verschiedene Arten von Robotern, darunter industrielle Roboter, Serviceroboter und humanoide Roboter. Diese Maschinen werden zunehmend in unserem Alltag eingesetzt, um verschiedene Aufgaben zu erledigen. In der Pflege können Roboter zur Unterstützung von älteren oder beeinträchtigten Menschen eingesetzt werden, beispielsweise als Mobilitätshilfen oder zur Überwachung von Vitalparametern (vgl. Burmester o.J.). Auch im Bereich der Haushaltsführung können Roboter eingesetzt werden, beispielsweise als Staubsauger, Bodenwischer oder Rasenmäher. Roboterarme helfen in der Industrie bei der Herstellung von Produkten. Nach Christaller (2001) bietet der Einsatz von Robotern im Alltag zahlreiche Chancen, wie beispielsweise eine höhere Effizienz, eine Entlastung von Arbeitskräften und eine Verbesserung der Lebensqualität. Gleichzeitig gibt es jedoch auch Herausforderungen, die ethische Fragen bezüglich des grundsätzlichen Einsatzes von Robotern beispielsweise im Bereich der Pflege als auch Fragen hinsichtlich der Sicherheit und die Gewährleistung von Datenschutz hervorrufen (S. 17 ff.).

Um einen bewussten und sicheren Umgang mit derartiger Technik gewährleisten zu können, bedarf es einem grundlegenden Einblick in ihre Funktionsweise. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz (KI) und Algorithmen. Diese beiden Begriffe werden im Zusammenhang mit Robotern häufig fälschlicherweise synonym verwendet. Die künstliche Intelligenz (KI) ist nicht mit dem Roboter gleichzusetzen, sondern eher als seine zentrale Steuerung zu verstehen, vergleichbar mit dem menschlichen Gehirn. Gemäß dem Europäischen Parlament (2020) wird KI definiert als "die Fähigkeit einer Maschine, menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität zu imitieren" (S. 4). Burmester (o.J.) bestimmt „Kernfähigkeiten, welche KI ausmachen: Wahrnehmen, Verstehen, Handeln und Lernen“. KI ermöglicht es technischen Systemen, ihre Umgebung wahrzunehmen, mit dem Wahrgenommenen umzugehen und Probleme autonom zu lösen. KI-Systeme sind in der Lage, ihr Handeln anzupassen, indem sie die Folgen früherer Aktionen speichern und analysieren (vgl. Europäisches Parlament 2020). Misselhorn (2019) unterscheidet drei verschiedene Arten künstlicher Intelligenz: schwache KI, starke KI und Superintelligenz. Schwache KI ist nur auf die Lösung konkreter Probleme spezialisiert und kann nicht flexibel eingesetzt werden. Starke KI hingegen kann eine dem Menschen ähnliche, flexible und allgemeine Intelligenz hervorbringen und ist damit in verschiedenen Bereichen mühelos einsetzbar. Superintelligenz übertrifft die menschliche Intelligenz. Derzeit verfügbare Roboter besitzen nur schwache KI und sind daher nur in konkreten Anwendungsbereichen einsetzbar (vgl. S. 269 f.).

Die meisten derzeit kommerziell genutzten KI-Anwendungen sind Systeme der schwachen KI. Diese Systeme können nur Handlungen vollziehen, die ihnen zuvor beigebracht bzw. implementiert wurden und sind nicht in der Lage, eigenständig zu sprechen, zu fühlen oder zu handeln. Schwache KI-Systeme werden nicht nur in der Robotik eingesetzt, sondern auch in autonomen Fahrzeugen, Chatbots und vielen anderen Geräten und Anwendungen. Teilbereiche der KI umfassen das Machine Learning (ML), das in digitalen Sprachassistenten wie Alexa und Siri verwendet wird und spezifische Muster in großen Datenmengen (Big Data) erkennen, auswerten und nutzen kann. Weiterhin umfassen Teilbereich der KI das Deep Learning (DL), das bei der Sprach- und Gesichtserkennung eingesetzt wird und bei dem neuronale Netze in Form von mathematischen Modellen zusammenarbeiten, um neue Informationen zu generieren (vgl. Burmester o.J.).

Algorithmen sind jene Implementationen innerhalb Roboter- oder KI-Systemen, die als eine Art Schritt-für-Schritt-Anleitung beschrieben werden können. Eine solche Art Anleitung wird von einem Computer oder einer Maschine ausgeführt, um eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. Dabei werden Daten verarbeitet und Entscheidungen auf der Grundlage von Regeln und Bedingungen getroffen. Algorithmen sind somit Grundlage für viele Technologien wie beispielsweise Suchmaschinen, Empfehlungssysteme oder selbstfahrende Autos (vgl. Sedgewick 2014, S. 20 ff.). Komplexe Prozesse zur Problemlösung wie beispielsweise die Optimierung von Produktionsprozessen, die Analyse von Kundendaten, das Trading an der Börse oder die Unterstützung von Diagnosen und Therapien in der Medizin werden von Algorithmen übernommen oder zumindest unterstützt (vgl. ebd., S. 20 ff.). Auch alltägliche Prozesse werden von algorithmischen Prozessen assistiert oder gesteuert, so führt Trogemann (2010) beispielsweise Ampelsteuerungen und Navigationssysteme (S. 159) auf. Auch moderne Haushaltsgeräte wie Klimaanlagen oder Waschmaschinen können Algorithmen verwenden, um den Energieverbrauch zu optimieren und somit den Stromverbrauch zu reduzieren.

Trotz der Vorteile, die Algorithmen bieten, gibt es auch Kritik an ihrem Einsatz. Eine Herausforderung besteht darin, dass Algorithmen auf Basis von eingespielten Daten und Erfahrungen lernen und Entscheidungen treffen, die möglicherweise Vorurteile oder Diskriminierungen beinhalten. Zudem besteht die Gefahr, dass Algorithmen dazu beitragen, dass bestimmte Gruppen benachteiligt werden, beispielsweise bei der Kreditvergabe oder bei der Jobsuche. Ein weiteres Problem ist die mangelnde Transparenz von Algorithmen, was es schwierig macht, ihre Entscheidungen nachzuvollziehen und zu überprüfen. Eine reflexive und verantwortungsbewusste Haltung im Entwicklungsprozess als professionelles Selbstverständnis und bei der Nutzung von Algorithmen ist unerlässlich. (vgl. Herzog 2021)

Wie bereits eingangs erwähnt, werden Kinder in unserer digitalen Welt immer mehr mit Algorithmen, Programmen und KI konfrontiert. Sie begegnen ihnen nicht nur in Endgeräten wie Computern, Tablets und Mobiltelefonen, sondern auch in alltäglichen Gegenständen wie Fahrkartenautomaten, Verkehrsampeln, automatischen Türen und elektronischen Spielzeugen. Die meisten Kinder nutzen diese Geräte und Systeme intuitiv, ohne sich Gedanken über ihre Funktionsweise oder Programmierung zu machen. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung ist es jedoch unabdingbar, dass Kinder bereits im Grundschulalter lernen, sich kritisch und reflektiert mit digitalen Medien und Geräten sowie den ihnen zugrunde liegenden Prinzipien und Funktionsweisen auseinanderzusetzen. Schulen haben dabei die Aufgabe, Lernende zu einem sicheren, kreativen und verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu befähigen und eine umfassende Medienkompetenz sowie eine informatische Grundbildung zu vermitteln (vgl. KMK 2016). Es geht darum, dass Kinder befähigt werden, die Einflüsse von Algorithmen auf die digitale Gesellschaft sowie die Auswirkungen der Automatisierung von Prozessen in der digitalen Welt für ihre eigene Lebenswirklichkeit nachzuvollziehen und kritisch zu reflektieren.

KMK Kompetenzrahmen

  • Problemlösen und Handeln
    • Technische Probleme lösen
    • Werkzeuge bedarfsgerecht einsetzen
    • Eigene Defizite ermitteln und nach Lösungen suchen
  • Analysieren und Reflektieren
    • Medien analysieren und bewerten
    • Medien in der digitalen Welt verstehen und reflektieren

Die Kinder wissen, was ein Roboter ist und was alltägliche Aufgaben sind (Putzen, Aufräumen, Kochen, Wäsche, Hausaufgaben usw.).

Die Kinder kennen einige Roboter, die bereits alltägliche Aufgaben übernehmen (z. B. Saugen, Wischen, Rasen mähen).

Die Kinder sind mit den Sozialformen Einzel-, Gruppen- und Plenumsarbeit sowie Sitzkreis vertraut.

Die Kinder können selbstständig in den Sozialformen Einzel- und Gruppenarbeit arbeiten.

Die Kinder kennen die Gesprächsregeln.

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M1: Jan und das besondere Bild (bearbeitbar)M1: Jan und das besondere Bild(docx, 119 KB, Datei ist barrierefrei/barrierearm)
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M1: Jan und das besondere BildM1:Jan und das besondere Bild(pdf, 54 KB, Datei ist barrierefrei/barrierearm)
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M2: Steckbrief Roboter (bearbeitbar)M2: Steckbrief Roboter (bearbeitbar)(docx, 122 KB, Datei ist barrierefrei/barrierearm)
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M2: Steckbrief RoboterM2: Steckbrief Roboter(pdf, 52 KB, Datei ist barrierefrei/barrierearm)
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M3: Mein roboterhafter AlltagshelferM3: Mein roboterhafter Alltagshelfer, Steckbrief leer(pdf, 53 KB, Datei ist barrierefrei/barrierearm)
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M3: Mein roboterhafter Alltagshelfer (bearbeitbar)M3: Mein roboterhafter Alltagshelfer (bearbeitbar), Steckbrief leer(docx, 125 KB, Datei ist barrierefrei/barrierearm)
  • Arbeitsblätter kopieren (M2 und M3)
  • Fotos von Roboteren mit schwacher Interlligenz raussuchen und für die Stunde aufbereiten (ausgedruckt oder digital)
  • Sitzkreis aufbauen
  • Video laden

Hinführung und Problemstellung

Zu Beginn der Lernumgebung trifft sich die Klasse mit der Lehrperson im Sitzkreis. Alle Kinder setzen sich entspannt hin und die Lehrperson fordert die Kinder dazu auf, die Augen zu schließen. Sind alle Augen geschlossen und alle Kinder mental im Sitzkreis angekommen, liest die Lehrperson die Geschichte „Jan und das besondere Bild“ vor (M1). Durch das offene Ende der Geschichte erhalten die Kinder im nächsten Schritt die Aufgabe, erst einmal leise über die folgenden Fragestellungen nachzudenken:  

  1. Wer hat in der Geschichte das gezeichnete Bild von Jan zerstört? Schreibe es auf den kleinen Zettel in deiner Hand
  2. Überlege. Warum denkst du, dass die/der /... die Schuld an der Zerstörung des Bildes trägt?

Anschließend werden die Kinder gebeten, ihre Zettel mit den Schuldigen gefaltet in die Mitte des Sitzkreises zu legen. Sind alle Zettel in der Mitte des Sitzkreises, mischt die Lehrperson diese durch, liest die möglichen Schuldigen vor und schreibt die Namen oder Bezeichnungen auf größere Zettel. Bei Doppelungen wird mit einer Strichliste auf dem großen Zettel mit dem Namen oder der Bezeichnung der jeweiligen Schuldigen (u. a. Saug-Wisch-Roboter, Schwester, Hund) erfasst, wie viele Kinder ebenfalls die Ansicht vertreten. Sind alle Zettel vorgelesen, fragt die Lehrperson die Kinder zu jedem einzelnen Beschuldigten, was dafürspricht, dass sie die jeweilige Entität (z. B. Roboter) beschuldigen, das Bild zerstört zu haben. Auch erfragt die Lehrperson, was dagegenspricht, dass die jeweiligen Entität Schuld an der Zerstörung des Bildes trägt. In dieser Phase des Gesprächs ist es notwendig, dass die einzelnen Beschuldigten nacheinander besprochen werden. Durch dieses Vorgehen können sich die Kinder besser aufeinander beziehen. Sollten die Kinder sich alle auf eine Entität geeinigt haben, ist es wichtig, dass die Lehrperson vertieft nachfragt, warum die anderen Entitäten aus Sicht der Kinder keine Schuld tragen (können).

In der Erprobung hat sich gezeigt, dass die Kinder mehrheitlich den Roboter beschuldigen, aber nicht konkret erklären können, warum die Schwester als auch der Hund nicht schuld sind, obwohl vieles ebenfalls für Schwester und Hund spricht. Es ist deshalb besonders wichtig, immer wieder nach Begründungen zu fragen und gemeinsam mit den Kindern abzuwägen, ob diese Begründungen ausreichen.

Im Anschluss an das Gespräch löst die Lehrperson die Geschichte auf und verrät, dass die Mutter gesehen hat, dass der Saug-Wisch-Roboter das Bild beim Putzen zerstört hat und sie leider nicht schnell genug war, um es wegzuziehen. Die Lehrperson erzählt weiter, dass Jan nun ziemlich sauer auf den Roboter ist, weil er so fies war und sein Bild zerstört hat. Auch wenn Jan noch wütend ist, fragt er sich dennoch, ob der Roboter das Bild mutwillig zerstört hat oder ob es sich um einen Unfall gehandelt hat, weil der Roboter das Bild vielleicht nicht wahrnehmen kann. Jan fragt sich allerdings auch, wenn der Roboter das Bild nicht wahrnehmen kann, ob er dann nicht trotzdem Schuld an dem Unfall trägt. Wer sollte denn sonst die Schuld tragen? So eine richtige Antwort auf seine Frage findet Jan allerdings nicht.

Selbstgesteuerte-intuitive Problemlösung (1) und angeleitete-kontrollierte Problemlösung

An dieser Stelle der Lernumgebung kommen die Kinder wieder ins Spiel. Die Lehrperson gibt die Frage von Jan in die Gesprächsrunde und fragt die Lernenden, wie sie die Frage von Jan beantworten würden. Falls die Kinder nicht von selbst ihre Antworten begründen, fragt die Lehrperson noch einmal vertieft nach, aus welchen Gründen die Kinder Jan die Frage so beantworten würden. An dieser Stelle bietet es sich an, die Fragen ggf. an der Tafel einzublenden oder auf Zettel in den Sitzkreis zu legen und vorher noch einmal mit den Kindern durchzugehen.

Ausgehend von dem Gespräch werden im nächsten Schritt Dreier- bis Vierer-Gruppen gebildet. Die Kinder setzten sich in ihren Gruppen an einen der Gruppentische, die bereits vor der Unterrichtsstunde im Klassenzimmer gestellt wurden. Vor der Tafel legt die Lehrperson Bilder von Robotern mit schwacher künstlicher Intelligenz aus (z.B. Rasenmähroboter, Serviceroboter, Saugroboter, Schachroboter, Massageroboter etc.). Alle Roboter auf diesen Bildern existieren bereits im Alltag. Jede Gruppe sucht sich einen Roboter aus und hat die Aufgabe in der Gruppe einen Steckbrief (M2) zu dem Roboter zu schreiben. Nach ca. 10 Minuten unterbricht die Lehrperson die Arbeitszeit der Kinder und gibt diesen über ein Video einen sachlichen Input über den Aufbau und die Entwicklung von Robotern. Dafür eignet sich unter anderem das Video „Roboter Check“ aus der Sendung „Checker Tobi“. Das Video kann unter dem folgenden Link abgerufen werden: https://www.kika.de/checker-welt/checker-reportagen/checker-tobi/videos/der-roboter-check-100. Es bietet sich an, das Video von 02.00 Minuten bis 06.20 Minuten abzuspielen, da es sonst sehr lang ist.

Im Anschluss an das Video werden die Kinder aufgefordert, ihren Steckbrief noch einmal zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten.

Die Arbeit in der Gruppe wird beendet und die Kinder treffen sich wieder im Sitzkreis und stellen kurz ihren Roboter vor. Haben sich mehrere Gruppen für den gleichen Roboter entschieden, dann können diese sich bei der Präsentation gegenseitig ergänzen oder sich korrigieren. Sollte die Vielfalt an Robotern zu klein sein, kann die Lehrperson ebenfalls einen Roboter vorstellen. Im Anschluss daran kommt die Klasse noch einmal auf den Roboter von Jans Familien zurück und vor allem auf die letzten zwei Fragen von Jan. Gemeinsam versucht die Klasse die Frage noch einmal zu beantworten bzw. schaut, inwieweit die Vermutungen dazu, ob der Roboter die Schuld trägt sowie ob der Roboter absichtlich das Bild überfahren hat, welche sie bereits geäußert haben, passen. In dieser Phase des Gesprächs sollte den Kindern bewusst werden, dass der Staubsaugerroboter entsprechend seiner Programmierung gehandelt hat. Er hat damit das Bild nicht bewusst zerstört und trägt auch keine Schuld, da er nicht für seine Programmierung verantwortlich ist. Vereinzelt sollten die Kinder ebenfalls zu der Erkenntnis gelangen, dass vor allem der Hersteller des Roboters Verantwortung für den Unfall trägt. Dieser hat den Roboter programmiert und hinsichtlich seines Aufbaus konzipiert.

Vertiefung durch weiterführende problembezogene Frage und selbstgesteuerte-intuitive Problemlösung (2)

Im Anschluss an das Gespräch stellt die Lehrperson den Kindern die Frage, was die programmierende Person bedenken muss, wenn sie einen Saug-Wisch-Roboter programmiert. Für die Beantwortung der Frage treffen sich die Kinder in Kleingruppen. Ihre Idee schreiben sie auf einen Notizzettel. Im Anschluss an das Gespräch gehen die Kinder zurück in den Sitzkreis und stellen sich abwechselnd ihre Ideen vor. Hat eine Gruppe die gleiche Idee wie die Gruppe, die gerade vorstellt, dann zeigt sie dies durch das Heben der Hand. Die Lehrperson schreibt die Ideen der Kinder an der Tafel mit. Wurden alle Ideen vorgestellt, überlegt die Klasse noch einmal, ob der Roboter mit den an der Tafel stehenden Anweisungen und Funktionen in der Praxis unfallfrei funktionieren würde oder ob er noch mehr Informationen bedarf. Die Informationen können noch bis zum Ende der Unterrichtseinheit ergänzt werden. Wichtig in dieser Phase des Unterrichts ist, dass die Kinder einen Einblick darin gewinnen, dass eine Programmierung dann optimal ist, wenn eine Maschine detailliert „weiß“, was sie darf (kann) und was sie nicht darf (kann).

Im Anschluss an das Gespräch sollen die Kinder in Partner*innen- oder Einzelarbeit selbst einen roboterhaften Alltagshelfer für sich erfinden und auf Papier programmieren. Die Arbeit der Kinder wird durch das Arbeitsblatt M3 unterstützt. Hinsichtlich der zuletzt genannten Aufgabe sollen die Kinder die Funktionen und Einsatzgebiete des Alltagshelfers benennen und aufzeigen, was der Alltagshelfer in Bezug auf seine Handlungen darf und nicht darf. Weiterhin sollen die Kinder überlegen, welche potenziellen Probleme bei dem Alltagshelfer in Bezug auf seine Handlungen auftreten können. Die Ergebnisse halten die Kinder auf dem Arbeitsblatt M3 fest. Auf diesem Arbeitsblatt verdeutlichen die Kinder zudem mithilfe einer Skizze, wie der Alltagshelfer aussieht. Falls ein Kind keine Idee für einen roboterhaften Alltagshelfer haben sollte, können die Lehrperson und andere Kinder kreative Denkanstöße geben.

In der Erprobung wurden u. a. die folgenden Roboter entwickelt: Tauchroboter, Schwimmroboter, Aufräumroboter, Küchenroboter, Tierzuchtroboter.

Ergebnissicherung

Die anschließende Ergebnissicherung erfolgt im Plenum, indem alle Kinder ihre Alltagshelfer präsentieren. Die anderen Kinder der Klasse sollen im Anschluss an die Präsentation Vermutungen anstellen, welche potenziellen Probleme der entwickelte Alltagshelfer haben könnte – zusätzlich zu den bereits genannten. Zugleich sollte in dieser Phase die Frage thematisiert werden, inwieweit bei der Programmierung der Alltagshelfenden zugleich alle auftauchenden Probleme bedacht werden können. Die Kinder werden aufgefordert, ihre Antworten zu begründen. Die zuletzt genannte Fragestellung soll die Kinder dabei unterstützen, einen Einblick in die Komplexität von Alltagsentscheidungen zu bekommen und zu erkennen, dass nicht alles normier- und damit auch nicht alles programmierbar ist. Dieses gemeinsam gefundene Ergebnis ist nicht nur eine Schwierigkeit, die in der Programmierung der Alltagshelfenden auftaucht, sondern ist auch eine alltagsbezogene, reale Schwierigkeit von professionellen Programmierenden.

Selbstgesteuerte-intuitive Problemlösung und angeleitete-kontrollierte Problemlösung:

Die Klasse kann statt in Gruppenarbeit auch gemeinsam zwei Roboter besprechen. Die Lehrperson kann die Kinder durch dieses Vorgehen schneller unterstützen. Auch kann in dieser Phase der Begriff der Schuld vertieft besprochen werden. Letztere wird einer der Entitäten aus der Geschichte zugeschrieben.

Das Video kann auch von 00.20 Minuten bis 06.20 Minuten gezeigt werden, wenn sich zu Beginn der Unterrichtseinheit herausstellt, dass die Kinder nur wenig Kenntnis über verschiedene Typen von Robotern haben. In den ersten zwei Minuten des Videos, werden viele Roboter mit schwacher künstlicher Intelligenz gezeigt.

Problemstellung zwei und selbstgesteuerte intuitive Problemlösung:

Die Kinder können sich auch in frei gewählten Sozialformen einen Alltagshelfenden ausdenken und auf dem Papier programmieren. Alternativ kann die Lehrperson auch die Pärchen, die zusammenarbeiten, auslosen lassen.

Anstatt der in der Lernumgebung aufgezeigten Phase Problemstellung 2 und selbstgesteuerte-intuitive Problemlösung, kann auch die Lernumgebung Mensch vs. Roboter durchgeführt werden.

Achten Sie darauf, dass am Ende jeder Unterrichtsstunde eine individuelle Phase der Ergebnissicherung stattfindet. Diese dient als Basis für einen gelungenen Einstieg in die nächste Stunde der Lernumgebung.

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